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Ein Angebot des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes

Wie helfen uns vergangene Krisen?

Von Hede Klaas 16. März 2020

 

Das Coronavirus COVID-19 ist nicht die erste Krise, die die internationale Tourismuswirtschaft vor eine Herausforderung stellt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Ereignisse wie SARS-CoV und die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 ebenfalls für Schwierigkeiten in der Branche gesorgt. Die dabei gewonnen Erfahrungen können eine Hilfe für den Umgang mit dem aktuellen Coronavirus sein.

 

SARS-CoV (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom)

Was ist SARS?

Das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS) wird durch ein bestimmtes Coronavirus namens SARS-CoV übertragen und führt zu einer atypischen Lungenentzündung. In ca. 10 % der Fälle endet diese Lungenentzündung tödlich. Der Erreger wird über Tröpfcheninfektion übertragen.

Die Krankheit trat erstmals im November 2002 in der südchinesischen Provinz Chuangdong auf und verbreitete sich von dort aus weiter nach Hong Kong und Vietnam. Ab Februar 2003 kam es zu einem weltweiten Auftreten des Virus, sodass die WHO das Virus offiziell als weltweite Bedrohung einstufte. Durch konstante Beobachtung, Isolation von Infektionsfällen und Quarantänemaßnahmen konnte Sars im Juli 2003 offiziell unter Kontrolle gebracht werden. Innerhalb der acht Monate erkrankten knapp über 8.000 Menschen in insgesamt 29 Ländern, von denen ca. 10 % an den Folgen der Infektion verstarben. China, Hongkong, Taiwan, Singapur, Hanoi in Vietnam und Toronto in Kanada waren am stärksten von der Epidemie betroffen. In Deutschland gab es vier positiv getestete Fälle.

 

Welche Folgen hatte SARS für die globale Tourismuswirtschaft?

Die Ausbreitung von SARS-CoV führte zu Einschränkungen im Konsumverhalten, worunter der Tourismus am meisten litt. Laut IATA war SARS-CoV die touristisch folgenschwerste Epidemie der letzten Jahre. Verglichen mit anderen Krankheiten, wie H1N1 und H5N1, hatte SARS die größten Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft, insbesondere im asiatischen Raum. Sowohl der Freizeit- als auch der Geschäftstourismus wurden von der Angst vor der weiteren Ausbreitung des Virus negativ beeinflusst, sodass die Touristenzahlen in und aus der Region stark gesunken sind. Der chinesische Inlandstourismus verlor US$ 3,5 Milliarden und Malaysia US$ 1,7 Milliarden. Rund 3 Monate nach dem Ausbruch, auf dem Höhepunkt der Krise, verzeichneten die asiatischen Fluglinien einen Rückgang von 35 % der Passagierkilometer. Mit einem Rückgang von insgesamt 8% der jährlichen Personenkilometer verzeichnete die asiatische Flugbranche einen Verlust von knapp US$ 6 Milliarden.  Durch die verminderte Reiseaktivität kam es neben der Flugbranche auch in der Hotellerie zu starken Einbrüchen. Die Hotels auf dem chinesischen Festland hatten im Mai 2003 eine Belegungsrate von nur noch knapp 18%.

Das Virus SARS- CoV hat somit vor allem die asiatischen Tourismuswirtschaft beeinflusst. Hier waren insbesondere die Hotels und Airlines stark betroffen. Allerdings konnten sich beide Branchensegmente wieder erholen. Innerhalb von sieben Monaten war die Nachfrage für Flüge und Hotelzimmer wieder auf einem vergleichbaren Niveau wie vor Beginn der Krise. SARS-CoV hatte somit zwar einen starken aber verhältnismäßig kurzfristigen Einfluss auf die Tourismuswirtschaft.

 

Was können wir aus der Erfahrung mit SARS lernen?

SARS-CoV und COVID-19, aktuell allgemein bekannt als Coronavirus, gehören zur selben Erregerfamilie und weisen starke Ähnlichkeiten in ihrem Genom, der Übertragung und den Symptomen auf. Allerdings ist das Ausmaß von COVID-19 deutlich größer und die damit einhergehenden Folgen für die Tourismuswirtschaft gravierender. Schon jetzt sind weltweit deutlich mehr Menschen am Coronavirus erkrankt als damals an SARS. Aktuell werden weltweit 170.005 Infizierte gezählt (Stand 16.03.20 13:00 h) was dem Sechzehnfachen an weltweiten Infizierten entspricht. Die Tendenz ist steigend. Darüber hinaus hat sich der Einfluss Chinas auf die Weltwirtschaft und somit auch auf den Tourismus in den letzten zwanzig Jahren vervielfacht.

Dennoch zeigt SARS, dass sowohl Fluggesellschaften als auch Hotels und andere Bereiche des Tourismussektors unmittelbar und mit am stärksten von einer Pandemie wie COVID-19 betroffen sind, sich aber auch von dem Einbruch wieder erholen können. Durch die schnelle Kontrolle über das SARS-Virus konnten weitreichende Folgen für die Industrie verhindert werden. Ein wichtiger Faktor war dabei die offene Kommunikation und der Austausch zwischen den Leistungsträgern und den Ländern.

 

9/11

Was ist 9/11?

Am 11. September 2001 wurde ein Terroranschlag verübt, bei dem vier Flugzeuge entführt wurden und anschließend im Zuge eines Selbstmordattentats in verschiedene US-amerikanische Gebäude gelenkt wurden, darunter die Twin Towers des World Trade Centers in New York und das Pentagon in Arlington. Der Anschlag wurde im Namen des islamistischen Terrornetzwerkes al-Quaida ausgeführt und führte zum Tod von knapp 3.000 Menschen. Der sogenannte „9/11“- Anschlag ist einer der bekanntesten Terroranschläge der Welt.

 

Welche Folgen hatte 9/11 für die globale Tourismuswirtschaft?

Die Anschläge vom 11. September hatten sofortige Auswirkungen auf die Tourismuswirtschaft. Vergleicht man die Zahlen der internationalen Ankünfte in den verschiedenen Regionen der Welt aus dem Jahr 2000 mit denen aus dem Jahr 2001, so stellt man fest, dass alle Regionen einen Touristenrückgang zwischen 1,4 % (Afrika) und bis zu 20 % (Amerika und Mittlerer Osten) aufwiesen. In Europa gingen die Ankünfte um 6,5 % zurück. Auch bei dieser Krise haben die Fluggesellschaften die Auswirkungen als erstes und am prägnantesten gespürt. Unmittelbar nach dem Anschlag wurde der Flugverkehr über den Vereinigten Staaten für vier Tage eingestellt. Durch die Entführung der Passagierflugzeuge entwickelte sich eine weltweite Angst vor dem Fliegen. Folglich reduzierte sich die Nachfrage für Flugzeugreisen weltweit und insbesondere in Zusammenhang mit einer Reise in die USA. Innerhalb der ersten vier bis fünf Monate nach 9/11 verzeichneten die Fluggesellschaften einen Nachfragerückgang von 31,3 %. Neben zahlreichen Entlassungen kam es zu Fusionen und finanziellen Verlusten für die gesamte Flugbranche. Die IATA schätzt, dass 9/11 einen permanenten Nachfragerückgang von 7,4 % verursacht hat, welcher finanzielle Einbußen von € 10.7 Milliarden pro Jahr zur Folge hat. Im Jahre 2006 hatte die Flugbranche erstmals weltweit wieder Gewinne erzielt. Die Reiseveranstalter in Deutschland konnten das Reisevolumen aus dem Sommer 2001 erstmals 2008 wieder übertreffen.

Die wohl drastischsten Maßnahmen, die als Konsequenz aus 9/11 entstanden sind, sind die neuen Visa-Bestimmungen der Vereinigten Staaten und die weltweite Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen.

 

Was können wir aus der Erfahrung mit 9/11 lernen?

Die Terroranschläge vom 11. September haben gezeigt, dass die Auswirkungen einer Krise nicht geografisch beschränkt sind. Die Folgen vorheriger Attentate waren bis dato nur im Zielgebiet des terroristischen Anschlags und in den umliegenden Regionen zu spüren. 9/11 wirkte sich umgehend weltweit auf die verschiedensten Wirtschaftsbranchen aus und führte zu einem Umdenken in den Köpfen der Reisenden.  In den USA verhalf ein Sechs-Punkte Plan zur Stabilisierung des Tourismus und der Sicherung von zahlreichen Arbeitsplätzen. International führten die Widerherstellung des Sicherheitsgefühls für potenzielle Reisende durch die Etablierung entsprechender Vorkehrungen und die Marketingarbeit in den darauffolgenden Jahren zur Regeneration der Tourismuswirtschaft.

Eine Epidemie wie COVID-19 ist schwer mit einem Terroranschlag zu vergleichen, da es sich um völlig unterschiedliche Formen einer Krise handelt und das Ausmaß der Auswirkungen für Destinationen und ihre Tourismuswirtschaft oft unterschiedlich stark ausfällt. Laut des WTTC erholt sich die Tourismusbranche eines Landes im Durchschnitt acht Monate schneller von einem Terroranschlag als von einer Epidemie. 9/11 ist die Krise mit den bisher größten Folgen für den internationalen Tourismus und die gesamte Weltwirtschaft. Das neue Coronavirus hat sich ebenfalls direkt auf die Weltwirtschaft ausgewirkt und ist mit erheblichen Verlusten im internationalen Tourismus verbunden, die derzeit noch nicht beziffert werden können. Aufgrund des aktuellen Lagebildes schätzt das Kompetenzzentrum die mit dem Coronavirus verbundenen Auswirkungen für die weltweite und besonders für die deutsche Tourismusbranche deutlich gravierender ein als die Folgen des 11. September. 

 

 



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